Sonor # II

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5 – 10 Akteure / verschiedene Texte auf säuberlich ausgerissenen Buchseiten / öffentlicher Raum in Freiburg i. Brsg. und Stuttgart / Photos: Anette C. Halm / 2017

Alle Akteure bis auf einen erhalten 48 säuberlich ausgerissene Buchseiten, auf denen verschiedene Texte abgedruckt sind. Jeder Block von Buchseiten hat seine eigene Thematik, alle spiegeln jedoch alltägliche Situationen im öffentlichen Raum. Bis auf einen Textblock, auf dessen 48 Seiten lediglich das Wort „ich“ in der Handschrift des Künstlers 68 Mal je Seite geschrieben ist.

Handlung

Alle Akteure, die einen Blätterblock in der Hand halten, heben diesen über ihren Kopf und lassen ihn nach hinten fallen, so dass sich eine Art sprachliches Feld bildet. Die Akteure lesen die Texte Blatt für Blatt laut vor. Ist ein Blatt vollständig zu Ende gelesen, nimmt sich der Akteur ein weiteres und sammelt so nach und nach alle verteilten Blätter ein.

Der noch übrigbleibende Akteur wartet zunächst und setzt sich dann neben einen der bereits aktiven Akteure. Für kurze Zeit lesen zwei Personen Blätter aus demselben Blätterblock vor, dann geht die Person, die bereits länger an diesem Ort war und begibt sich zu einem anderen vorlesenden Akteur.

  • Gedruckter Texte: Jede Seite hat 8 Zeilen gedruckten Texts. Jede Zeile besteht aus 8 Spalten. Jede Spalte besteht aus vier Zeilen, zum Beispiel: „ich gehe, du stehst, ich bleibe, du gehst“. „Ich“ und „du“ beziehen sich während des aufeinanderfolgenden Vorlesens auf die Betrachter-Akteur-Beziehung. Das Verb spiegelt die tatsächliche Handlung beider Akteure, die in diesem Moment vielleicht passieren könnte. Durch die Spiegelung des Vorhandenen will ich eine weitere Reflektionsebene eröffnen, wodurch zufällige Betrachter im öffentlichen Raum die Fragen nach dem Wie und dem Warum der vorgefundenen Handlung überspring und direkt in einen Dialog mit den Akteuren eingehen.
  • Handgeschriebener Text: Insgesamt befinden sich 4.000 handschriftliche „Ich“ auf den knapp 60 Seiten. Während einer der Akteure diese „ich“ laut vorliest, verschwimmen die Buchstaben immer mehr vor seinen Augen, das Wort verliert an Bedeutung. Ein psychisches Paradox, denn wir konstituieren uns als Subjekte, indem wir „ich“ sagen und uns somit von unserem Gegenüber, dem „du“ abgrenzen. Doch in der andauernden Wiederholung dieses Wortes wird es sinnlos, so lösen wir uns als Subjekte zur selben Zeit auf.